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Abendzeitung, Dienstag, 20. Oktober 1988 Seite 24


Hans Glöggler
fühlt sich betrogen und
zog mit seinem
Sohn vor gericht


Konkurs: Textilzar fordert von Bayern 220 Millionen DM
Wurde sein Milliarden-Unternehmen falsch saniert?


Von Günter Chall


München - "Ich wurde mit Gewalt enteignet und vertrieben. Mein Vermögen betrug einige Milliarden Mark, jetzt bin ich ein Bettler. Das Bayerische Wirtschaftsministerium hat mich in den Konkurs getrieben. Meine Familie wurde terrorisiert, ich verfolgt. Ich verlange mein Recht." So erregte sich gestern "Textilzar" Johannes (Hans) Nepomuk Glöggler (78) vor der 6. Kammer des Bayerischen Verwaltungsgerichts. Er kämpft um seine Rehabilitierung. Er verlangt vom Freistaat Bayern oder dessen Landesamt für Aufbaufinanzierung (LfA) Schadensersatz in Höhe von "mindestens 220 Millionen Mark".


Nach Ansicht des früheren Konzerninhabers und seiner Anwälte (Sohn Robert Glöggler und Hans Christian Kopf) haben Freistaat und LfA durch unsachgemäße Sanierung seines Konzerns 1976 den Zusammenbruch des Unternehmens mit 14 000 Beschäftigten und einer Milliarde Jahresumsatz verschuldet.
Hans Glöggler]er hat seinen Konzern durch Spekulation aufgebaut. Er kaufte bankrotte Unternehmen und sanierte sie. Dabei machte er Schulden. Ende 1975 waren es 70 Millionen Mark. Nach eigenen Angaben hatte er aber ein Milliardenvermögen in Grundstücken, Firmen und Aktien. Aber zwei Generalbevollmächtigte erklärten Ende 1975 den Gläubiger-Banken, der Glöggler-Konzern sei konkursreif.
Daraufhin beauftragte der Freistaat Bayern die LfA, das Unternehmen zu sanieren. Zugleich wurde gegen Hans Glöggler und dessen Sohn Axel als Geschäftsführer wegen Konkursbetrugs ermittelt. Glöggler senior flüchtete nach Frankreich und Kanada. Sein Sohn Axel saß über ein Jahr in Augsburg in Untersuchungshaft. Als der Prozeß begann, bezeichneten sich die Richter selbst als befangen. Der Prozeß platzte. Axel Glöggler kam auf freien Fuß.
Hans Glöggler wurde international per Haftbefehl gesucht. Derweil ließ sich der Ex-Unternehmer von einer Illustrierten in der Bundesrepublik interviewen und fotografieren - auf einem Kanonenrohr.
Schon damals kündigte er an, er werde den Freistaat verklagen. Nach VeIjährung der Betrugsvorwürfe kehrte er 1985 zurück und machte seine Drohung wahr.


Hans Glöggler, der in seiner Glanzzeit der CSU Spendengelder hatte zukommen lassen, gibt dem damaligen Wirtschaftsminister und der LfA schuld an seiner Misere. Eine Sanierung sei nicht nötig gewesen, Freistaat und LfA hätten als Geschäftsführer ohne Auftrag gehandelt. Um die 70 Millionen Mark Schulden zu bezahlen, habe die LfA damals das Aktienpaket einer Grollbaufirma verschleudert, von dem der Konzern 30 Prozent besaß also eine Sperrminorität. Der wahre Wert habe nach dem Gutachten einer US-Bank jedoch 300 Millionen Mark betragen. Die LfA habe das Paket aber für den damaligen Tageskurs für insgesamt knapp 80 Millionen Mark verschleudert.


Am ersten Tag ging es um die Zuständigkeit des Gerichts im Prozeß gegen die LfA. Der Prozeß wurde vertagt.



Foto:

Christine Strub
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